Die Grundpflege einer Cannabispflanze besteht aus drei Handgriffen: gießen, wenn die obere Erdschicht angetrocknet ist, für ausreichend Licht sorgen und nach den ersten Wochen maßvoll düngen. Wohl fühlt sie sich bei 20–26 °C. Photoperiodische Sorten laufen indoor in der Wachstumsphase mit 18 Stunden Licht am Tag und wechseln mit der Umstellung auf 12 Stunden in die Blüte, Autoflowering-Sorten blühen von allein. Der häufigste Fehler ist nicht zu wenig Pflege, sondern zu viel: zu oft gegossen, zu früh gedüngt, zu viel eingegriffen. Wer sich zurückhält und die Pflanze beobachtet, macht am Anfang das meiste richtig. Dieser Artikel geht die Pflege Punkt für Punkt durch.

Gießen mit Augenmaß
Gieße erst, wenn die oberen 2–3 cm der Erde trocken sind. Ein einfacher Test ist das Topfgewicht: ein durstiger Topf ist deutlich leichter als ein frisch gegossener. Gieße dann durchdringend, bis unten etwas Wasser austritt, und warte mit dem nächsten Mal, bis die Erde wieder angetrocknet ist. Staunässe ist der schnellste Weg zu Wurzelproblemen, deshalb lieber seltener und gründlich als täglich ein wenig. Hängende Blätter können sowohl zu viel als auch zu wenig Wasser bedeuten, das Topfgewicht verrät dir, welcher Fall vorliegt.
Licht in den Phasen
In der Wachstumsphase braucht die Pflanze viel Licht, indoor sind 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit üblich, outdoor übernimmt das die Sonne. Bei einer Lampe kommt es auf den Abstand an: zu nah bleicht und verbrennt die Blätter, zu weit lässt die Pflanze lang und dünn wachsen. Taste dich an die Herstellerangabe heran und beobachte die Reaktion. Mehr zu Lampen und Zyklen steht unter Grow-Lampen und Lichtzyklen verstehen.
Nährstoffe dosieren
Eine vorgedüngte Erde versorgt die Pflanze in den ersten 3–4 Wochen von allein. Beginne danach mit der halben empfohlenen Düngerdosis und steigere nur, wenn die Pflanze es verlangt. Dunkelgrüne, krallenartig nach unten gebogene Blätter und braune Spitzen sind typische Zeichen für zu viel Dünger, blasses Grün und gelbe untere Blätter deuten auf zu wenig. Im Zweifel ist weniger die sichere Richtung, nachdüngen geht immer, entziehen ist mühsam.
Temperatur und Luftfeuchte
Am wohlsten fühlt sich die Pflanze bei 20–26 °C am Tag und etwas kühleren Nächten. Junge Pflanzen mögen eine höhere Luftfeuchte, in der Blüte darf sie deutlich sinken, das senkt das Schimmelrisiko in den dichten Blüten. Für Bewegung sorgt ein kleiner Ventilator, der die Pflanze leicht wackeln lässt, das stärkt die Stängel und beugt stehender, feuchter Luft vor.
Wachstum und Blüte unterscheiden
In der Wachstumsphase baut die Pflanze Blätter, Triebe und Wurzeln. Photoperiodische Sorten bleiben darin, bis die Lichtdauer sinkt, indoor stellst du dafür auf 12 Stunden um, outdoor erledigen das die kürzeren Tage im Spätsommer. Autoflowering-Sorten wechseln nach einigen Wochen von allein. Mit der Blüte verschiebt sich der Bedarf: etwas weniger Stickstoff, mehr Blütendünger, trockenere Luft. Die Blüte dauert je nach Sorte meist 8–10 Wochen. Wann geerntet wird, erkennst du an den Trichomen, mehr dazu unter Der richtige Erntezeitpunkt.

Beobachten statt eingreifen
Die wertvollste Pflegegewohnheit kostet nichts: schau dir die Pflanze jeden Tag kurz an, auch die Blattunterseiten. Veränderungen an Farbe und Haltung zeigen Probleme früh, wenn sie noch leicht zu beheben sind. Was gelbe Blätter, Flecken oder Schädlinge bedeuten, findest du im Ratgeber Probleme beim Cannabisanbau. Und wenn alles gesund aussieht, ist die richtige Reaktion, nichts zu tun.
Häufige Fragen
Wie oft muss ich gießen?
So oft, wie die Erde es verlangt, nicht nach Kalender. Als Faustregel: gießen, wenn die oberen 2–3 cm trocken sind und der Topf leicht geworden ist. Je nach Topfgröße, Temperatur und Pflanzengröße kann das alle 2–5 Tage sein.
Welchen pH-Wert braucht das Gießwasser?
In Erde funktioniert ein pH-Wert von 6,0–7,0. Normales Leitungswasser liegt oft in diesem Bereich. Ein pH-Messgerät lohnt sich, sobald Probleme auftreten, für den Start ist es kein Muss.
Wann fange ich mit dem Düngen an?
Bei vorgedüngter Erde nach etwa 3–4 Wochen, mit der halben empfohlenen Dosis. Vorher hat die Erde genug Nährstoffe.
Die unteren Blätter werden gelb. Muss ich etwas tun?
Einzelne gelbe Blätter unten sind oft normal, besonders in der späten Blüte. Werden es viele oder wandert das Gelb nach oben, lohnt ein Blick in Gelbe Blätter bei Cannabis.
Muss ich meine Pflanze beschneiden?
Nein. Für den ersten Grow ist keinerlei Beschnitt nötig, die Pflanze wächst auch ohne Eingriffe zu einem ordentlichen Ergebnis. Trainingstechniken sind etwas für spätere Durchgänge, bei Autoflowering-Sorten ist Zurückhaltung ohnehin die sichere Wahl.

