Ein Nährstoffmangel zeigt sich fast immer zuerst an den Blättern, und der Ort des Symptoms verrät den Nährstoff: Stickstoffmangel färbt die unteren, alten Blätter gleichmäßig gelb, Magnesiummangel lässt die Flächen zwischen den Blattadern vergilben, Kaliummangel zeigt braune, trockene Blattränder, und Kalziummangel macht braune Flecken auf jungen Blättern. Bevor du aber nachdüngst, prüfst du eine Sache: den pH-Wert. Ein verschobener pH-Wert blockiert die Aufnahme vorhandener Nährstoffe und ist die häufigste wahre Ursache hinter scheinbaren Mängeln. Dieser Artikel führt dich durch Diagnose und Behebung.

Wie sich Mängel zeigen
Nährstoffe teilen sich in zwei Gruppen. Mobile Nährstoffe wie Stickstoff, Magnesium und Kalium kann die Pflanze aus alten Blättern in neues Wachstum verlagern, ihr Mangel zeigt sich deshalb zuerst unten an den alten Blättern. Immobile Nährstoffe wie Kalzium und Eisen bleiben, wo sie eingebaut wurden, ihr Mangel trifft zuerst die jungen Blätter oben. Diese einfache Regel, unten alt gegen oben jung, ist der halbe Diagnoseweg.
Die wichtigsten Mängel im Überblick
Stickstoff: gleichmäßiges Vergilben der unteren Blätter, das langsam nach oben wandert, die Pflanze wirkt insgesamt blass. Magnesium: die Flächen zwischen den Adern vergilben an den unteren Blättern, die Adern selbst bleiben grün. Kalium: braune, wie verbrannt wirkende Blattränder und -spitzen an älteren Blättern. Phosphor: dunkles, stumpfes Blattgrün, teils violette Stängel und zögerliches Wachstum. Kalzium: kleine braune Flecken und verkrüppelte Ränder an jungen Blättern. Eisen: junge Blätter treiben fast gelb-weiß aus, die Adern bleiben grün.
Erst den pH-Wert prüfen
Liegt der pH-Wert im Wurzelbereich daneben, kann die Pflanze Nährstoffe nicht aufnehmen, egal wie viele in der Erde sind. In Erde funktioniert ein Bereich von 6,0–7,0. Miss den pH-Wert des Gießwassers, korrigiere ihn bei Bedarf, und beobachte die Pflanze eine Woche. Erstaunlich viele vermeintliche Mängel lösen sich damit auf, ganz ohne zusätzlichen Dünger.
Gezielt beheben
Steht der pH-Wert und das Symptom bleibt, düngst du gezielt und maßvoll nach: ein Grunddünger deckt Stickstoff, Phosphor und Kalium ab, ein Kalzium-Magnesium-Zusatz die beiden häufigen Nebenmängel. Beginne mit der halben Dosis und gib der Pflanze einige Tage. Bereits geschädigte Blätter erholen sich nicht mehr, entscheidend ist, dass das neue Wachstum gesund nachkommt.
Häufige Fragen
Werden geschädigte Blätter wieder grün?
Nein, geschädigtes Gewebe bleibt, wie es ist. Erfolg erkennst du daran, dass neue Blätter gesund nachwachsen und das Symptom nicht weiterwandert.
Was ist der Unterschied zwischen Mangel und Überdüngung?
Überdüngung zeigt dunkles, glänzendes Laub mit verbrannten Spitzen, Mangel eher blasses, vergilbendes Laub. Im Zweifel hilft die Vorgeschichte: wer viel gedüngt hat, hat selten einen Mangel.
Brauche ich ein pH-Messgerät?
Spätestens beim ersten Problem ja. Es ist das mit Abstand nützlichste Diagnosewerkzeug im Anbau und günstiger als jede Flasche Spezialdünger.
Gelbe Blätter unten in der späten Blüte, ist das ein Mangel?
Meist nicht. In der späten Blüte zieht die Pflanze planmäßig Stickstoff aus den alten Blättern, einzelnes Vergilben unten ist dann normal. Mehr dazu unter Gelbe Blätter bei Cannabis.

