
Botrytis cinerea, der Grauschimmel, ist der Grund, warum erfahrene Grower in den letzten drei Wochen der Blüte jeden Tag im Zelt oder im Garten stehen. Er beginnt im Inneren dichter Blüten, dort, wo es feucht, warm und dunkel ist, und er ist von außen tagelang unsichtbar. Wenn du ihn siehst, ist er schon da. Die Frage ist nur, wie weit.
Die drei Frühzeichen
Ein einzelnes Blatt aus der Blüte wird gelb. Kleine Blätter, die aus der Blüte herausragen, die Zuckerblätter, werden gelb, dann braun, und lassen sich mit zwei Fingern ohne Widerstand herausziehen. Bei einer gesunden Blüte sitzt das Blatt fest. Das ist das Zeichen, das die meisten übersehen, weil ein einzelnes gelbes Blatt in der Spätblüte normal aussieht. Ein Zuckerblatt, das sich herausziehen lässt, ist es nicht.
Eine Stelle an der Blüte fühlt sich weich an. Drück eine dichte Blüte vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger. Gesund fühlt sich fest und leicht klebrig an. Eine Stelle, die nachgibt wie ein überreifes Obst, ist verdächtig.
Der Geruch. Gesunde Blüten riechen nach der Sorte. Eine befallene Blüte riecht muffig, wie feuchter Keller oder nasses Laub, und dieser Geruch überdeckt das Sortenaroma an dieser Stelle. Wer täglich riecht, merkt den Unterschied.
Das späte Zeichen, das jeder kennt: Beim Auseinanderdrücken der Blüte ist das Innere grau, weich, mit feinem grauem Pelz. Dann ist die Blüte verloren, und die Frage ist, was drumherum noch zu retten ist.
Warum er kommt
Botrytis braucht drei Dinge: Feuchtigkeit, wenig Luftbewegung und eine Eintrittsstelle. In dichten Blüten sind die ersten beiden immer gegeben. Die Eintrittsstelle sind abgestorbene Blätter im Inneren, Verletzungen durch Raupen oder Schnitte, oder einfach die Feuchtigkeit selbst, die das Gewebe aufweicht.
Im Zelt ist der Auslöser fast immer eine Luftfeuchte über 55 Prozent in der zweiten Blütehälfte, oft in Kombination mit kühlen Nächten, in denen die Feuchte weiter steigt. Draußen ist es der Regen im September, der in den Blüten stehen bleibt, und Morgentau, der nicht abtrocknet.
Sorten mit sehr dichten, kompakten Blüten, viele Indica-dominante, sind anfälliger. Sorten mit lockeren, offenen Blüten, viele Sativas, deutlich weniger.
Die tägliche Kontrolle in der Spätblüte
Ab etwa drei Wochen vor der geplanten Ernte, jeden Tag, zwei bis drei Minuten pro Pflanze.
- Alle dicken Blüten anschauen, vor allem die Hauptblüten oben und die, die eng an Stängeln oder anderen Blüten anliegen.
- Zuckerblätter, die gelb werden, vorsichtig ziehen. Sitzt es fest: in Ordnung. Kommt es heraus: Blüte öffnen und nachsehen.
- Die größten Blüten leicht drücken und riechen.
- Draußen zusätzlich nach Regen: Pflanze vorsichtig schütteln, damit Wasser aus den Blüten läuft, und morgens die Blüten auf stehendes Wasser prüfen.
Was du tust, wenn du ihn findest
Sofort und großzügig herausschneiden. Die befallene Stelle mit einer sauberen Schere entfernen, und dazu zwei bis drei Zentimeter gesundes Gewebe rundherum. Botrytis breitet sich im Inneren weiter aus, als es von außen sichtbar ist. Was du herausschneidest, kommt in eine geschlossene Tüte und aus dem Raum, nicht auf den Boden und nicht in den Kompost.
Schere reinigen. Nach jedem Schnitt mit Alkohol abwischen, sonst trägst du die Sporen zur nächsten Blüte.
Die anderen Blüten sofort prüfen. Wo eine ist, sind meist mehr, oft an derselben Pflanze in ähnlicher Höhe.
Klima korrigieren. Luftfeuchte auf 40 bis 45 Prozent, Ventilator so ausrichten, dass Luft durch die Pflanze streicht, nicht nur drüber. Bei starkem Befall im Zelt: ein paar große Fächerblätter im Inneren entfernen, damit Luft an die Blüten kommt.
Ernten, wenn es sich häuft. Wenn du an einem Tag an mehreren Stellen fündig wirst und die Trichome bereits milchig sind, ist es meist besser, sofort zu ernten, als eine weitere Woche zuzusehen. Eine Woche früher kostet etwas Gewicht. Eine Woche Botrytis kostet die halbe Pflanze.
Was nicht hilft: Fungizide in der Blüte, weder chemisch noch biologisch. Sie erreichen das Innere der Blüte nicht und hinterlassen Rückstände auf allem, was du ernten willst.
Beim Trocknen weitermachen
Botrytis hört bei der Ernte nicht auf. Blüten, die feucht und dicht aufgehängt werden, entwickeln ihn im Trockenraum weiter. Deshalb: befallene Pflanzen getrennt von gesunden trocknen, Trockenraum unter 60 Prozent Luftfeuchte, Luftbewegung, und jede große Blüte vor dem Aufhängen einmal öffnen und nachsehen. Eine einzelne befallene Blüte im Glas beim Curing steckt den ganzen Inhalt an.
Vorbeugen
Luftfeuchte in der Blüte unter 50 Prozent halten, in den letzten zwei Wochen unter 45. Ein Ventilator, der durch die Pflanze bläst, nicht nur drüber. Beschattende Blätter im Inneren dichter Pflanzen früh entfernen. Draußen eine Sorte wählen, die vor dem nassen Oktober fertig ist, und in Regenwochen die Pflanze überdachen, wenn es geht.
Und die tägliche Kontrolle. Sie kostet drei Minuten und ist der einzige Schutz, der wirklich funktioniert.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich Botrytis früh?
An einem Zuckerblatt, das gelb wird und sich ohne Widerstand aus der Blüte ziehen lässt. Dazu weiche Stellen und ein muffiger Geruch.
Kann ich befallene Blüten retten?
Die befallene Stelle nicht. Großzügig herausschneiden, zwei bis drei Zentimeter gesundes Gewebe mit, Schere danach mit Alkohol reinigen.
Wann sollte ich sofort ernten?
Wenn du an einem Tag mehrere Stellen findest und die Trichome bereits milchig sind. Eine Woche früher kostet etwas Gewicht, eine Woche Botrytis die halbe Pflanze.
Hilft ein Fungizid in der Blüte?
Nein. Es erreicht das Innere der Blüte nicht und hinterlässt Rückstände. Klima, Luftbewegung und tägliche Kontrolle sind der einzige Schutz.
Kann Botrytis beim Trocknen weitergehen?
Ja. Befallene Pflanzen getrennt trocknen, Luftfeuchte unter 60 Prozent, jede große Blüte vor dem Aufhängen einmal öffnen.

